Reinhardshausen - unser Heimatort

Reinhardshausen wird mit der Ortsnamensform "reinershusen" erstmals in einem Güterverzeichnis des Fritzlarer St. Petri-Stift von 1209 genannt:

 

Seit 1940 ist Reinhardshausen ein Stadtteil von Bad Wildungen. Beide zusammen sind eines der bedeutensten Bäderzentren in Deutschland. Es liegt in Nordhessen im Landkreis Waldeck-Frankenberg am Rande des Nationalparks "Edersee - Kellerwald" ca. 45 km südwestlich von Kassel entfernt.

Reinhardshausen


Ein  wenig über die Geschichte unseres Ortes wollen wir Ihnen auf dieser Seite näherbringen:

 

Die Entwicklung zum Kur- und Badeort begann im Jahre 1894 durch Gustav Görner.

Gustav Görner wurde am 20. April 1849 in Niedergrund bei Warnsdorf im Sudetenland als 13. Kind einer armen Weberfamilie geboren.

Nach der Lehrzeit konnte er über die nahe deutsche Grenze abwandern. Im damaligen Lande Sachsen war er dann Tag und Nacht bestrebt, meine bescheidene Ausbildung zu vervollständigen und vorwärtszukommen. Er hatte das Glück, Verbesserrungen und später patentierte Neuerungen durchzuführen, zuletzt in der eigenen Jalousiefabrik in Zittau: Diese Fabrik entwickelte sich recht gut. Aber er hielt den ständigen Anspannungen nicht stand und wurde krank.

Die Ärzte schickten ihn 1894 wegen eines Nierenleidens nach Wildungen in die Kur. Im Hotel "Zur Post" quartierte er sich ein und lernte dort den Eisenbahndirektor Sieges aus Brüssel kennen, mit ihm unternahm er gemeinsam kleine und große Wanderungen: Von einem Ausflug nach Schloß Waldeck kehrten sie zu Fuß zurück, und zwar über Reinhardshausen."

Dort sah er auf einer Wiese mit dem Wasser Bläschen aufsteigen, sein Unternehmungsgeist war geweckt, der die Vision von einem blühenden Badeort heraufbeschwor.

Er kam mit Otto Scheffer ins Gespräch, dessen Gut zum Verkauf anstand. Damals ging es der Landwirt­schaft schlecht. Scheffer war in Zahlungsschwierigkeiten.

Görner fragte sich: "Sollte man das Gut kaufen? In mir regte sich der Geschäftsgeist. Man sollte es doch einmal besichtigen. Für mein Geschäft in Zittau konnte ich mindestens 45 000 Mark erlösen. Der Gedanke, mein Nierenleiden in dieser Gegend auszukurieren, mag dazu beigetragen haben, dass ich meine Fabrik in Zittau verkaufte, um mich in Reinhardshausen niederzulassen. Ich wurde mit Herrn Scheffer einig, und zahlte zunächst 15000 Mark an, die ich telegraphisch von meiner Frau in Zittau anforderte."

So wurde Gustav Görner Besitzer des Gutes und eines großen Teils des Reinhardshäuser Tales. Der Grundstein für das Unternehmen Reinhardsquelle war gelegt.

Der frühere Gutsbesitzer Otto Scheffer hatte bereits nach Wasser gegraben. An zwei Stellen stiegen in Blechkästen vielversprechende Blasen auf. Mit großer Zielstrebigkeit machte sich Gustav Görner ans Werk. Zunächst ging es darum, heilkräftige Quellen zu erschließen. Der Ziegeleibesitzer und Baumeister Karl Huneck aus Wildungen und der Maurermeister Heinrich Rennesland aus Reinhardshausen übernahmen die Bohrarbeiten

Gustav Görner setzte unverdrossen weitere Bohrungen an. Der Gutsarbeiter Johannes Höhle (späterer Brunnenmeister und der 1. Schützenkönig unseres Vereins) riet ihm, es doch einmal weiter östlich auf seinem Gelände zu versuchen, wo früher ein saurer Brunnen gewesen sein sollte. Eine Bohrung in 15 Metern Tiefe brachte den ersehnten Erfolg: Die Reinhardsquelle war entdeckt.

Görners große Familie war 1895 von Zittau in das instandgesetzte Gutshaus gezogen, das zugleich Verwaltungssitz des jungen Unternehmens wurde.

Görner begann nach und nach mit dem Anlegen  eines Brunnentempels, der Wandelhalle und schließlich des Kurparks.

In dem von alten Bäumen beschatteten Kurgarten fand das erste Kurkonzert statt, das Gustav Görner mit einer Anzeige in der Waldeckischen Zeitung bekannt gab: "Sonntag, den 20, August 1899, nachmittags fünfeinhalb Uhr KONZERT im Kurgarten der Reinhardsquelle, bestehend aus Solo-Vorträgen in Gesang, Violine, Piano, Streich- und Schlagzither unter gütiger Mit­wirkung von Fräulein Frieda Neuberg, Konzertsängerin aus New York, sowie einiger hier zur Kur weilender geschätzter Dilettanten und ihrer Wildunger Musikfreunde. Der Reinertrag wird zu Wohltätigkeitszwecken und zur Verbesserung der Wege auf dem Homberge Verwendung finden."

Des weiteren wurde die schwefelhaltige Badequelle gefaßt und das Wasser ohne Luftberührung ins Badehaus geleitet. Das neu errichtete Badehaus enthielt sieben Badekabinen für Mineral- und Sprudelbäder und zwei Gemeinschaftsräume. Nachdem das Badehaus fertiggestellt war, wurde der Bau eines neuen, massiven Brunnenhauses in Angriff genommen und das Füll- und Versandhaus errichtet. Ein Sonnenbad, für Männer und Frauen getrennt, vervollständigte die Kureinrichtungen

Die Geschichte erzählt: Bei einer geselligen Skatrunde im Jahr 1912 im Kurrestaurant, an der auch Kommerzienrat Kirchner, der Direktor der Fürstlich-Wildunger Mineralquellen AG., Bankdirektor Pfeiffer und Kaufmann Dietrich aus Fritzlar teilnahmen, ließ sich Gustav Görner dazu überreden, sein Unternehmen zu verkaufen und in eine GmbH umzuwandeln. Diese Entscheidung, die allgemeine Verwunderung erregt hat, soll Gustav Görner später sehr bedauert haben.

Gustav Görner verbrachte seinen Lebensabend in seiner Villa in Reinhardshausen. Es war noch eine große Freude für den 90-Jährigen, daß ihn die Gemeinde kurz vor seinem Tode im Jahre 1939 zum Ehrenbürger ernannte.

1940 wurde Reinhardshausen nach Bad Wildungen eingemeindet. Nach dem zweiten Weltkrieg setzte sich die Entwicklung mit stürmischer Geschwindigkeit fort. In Reinhardshausen entstanden 14 große Kliniken, die heute das Bild des modernen Kur- und Erholungszentrums prägen.

Ende der 1990er Jahre wurde der Kurpark nach Osten hin durch eine naturnahe "grüne Brücke" mit dem benachbarten Kurpark Bad Wildungens zu einem Großkurpark verbunden, der nun mit einer Fläche von 50 Hektar als der größte Kurpark Europas angesehen werden kann. Darin sind neben Wanderwegen sowie Joggingstrecken auch Terrain-Kur-Wege speziell für Herz- und Kreislaufpatienten beschildert.

  Im Jahr 2004 ging die Bad Reinhardsquelle in den Besitz der Stadt Bad Wildungen über,
Reinhardshausen hat ca. 1.200 Einwohner und verfügt über mehr als 5.000 Gästebetten. In Spitzenzeiten registrierte die Bad Reinhardsquelle fast 40.000 Kurgäste und 1,15 Millionen Übernachtungen im Jahr.

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